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Matthias Gotter

Ivi Vidakovic, Matthias Gotter, Fred Rennemüller und Rainer Schadowski in Baunach 1982

Matthias Gotter

Der ambitionierte Sportler Matthias Gotter pflügte gerne auf umgebauten Tourenrädern durchs Gelände, doch seine täglichen Wege führten nur allzu oft am Radgeschäft von Ekkehardt Teichreber und der BMX-Bahn in Bremen-Grohn vorbei. 

Mit Begeisterung sah er das Treiben an der Bahn und die dazugehörigen Räder. Teichreber hatte ein verchromtes Diamond-Back Komplettrad im Fenster stehen – ein Traum. Matthias verliebte sich und drückte sich die Nase am Fenster platt, doch seine Eltern wollte von einer weiteren Sportart nichts hören – und schon gar nicht von so einer kostspieligen. Gotter war damals schon im Schwimmverein, spielte Tennis, hatte Karate gemacht und war Landesmeister im 800m Lauf – der Kalender war also mehr als voll und die Brieftasche dementsprechend belastet.

Aber BMX hatte es ihm angetan und so suchte er sich einen Ferienjob und erarbeitete sich das Rad, mit dem er 1981 stolz wie Oscar den Laden verließ. An der BMX-Bahn lernte er die erste Generation der BMXer Grohns kennen: Kai Jesse, Jan Fattauer, Michael Leuner, Fred Rennemüller und die Klostermann-Brüder. Erste Rennen wurden bestritten und das sehr kurze Diamond-Back wurde gegen ein etwas geräumigeres Redline aus zweiter Hand von Andreas Teichreber getauscht, der damals wegen seiner Nähe zur Quelle natürlich erster Ansprechpartner für günstige Deals war.

Spätestens als er dann mit dem Centurion Supercup im Oktober 1981 die erste, inoffizielle deutsche BMX Meisterschaft gewann, war klar, dass Matthias sowohl Talent als auch Biss hatte und auch seine Eltern begriffen langsam, dass er es ihm ernst war. Sie stürzten sich knietief in die Belange des neu entstandenen Vegesacker-BMX-Clubs und halfen beim Aufbau der BMX Szene in Bremen-Nord. Seine Mutter Margot wurde Kassenwartin und sein Vater Detlef berühmt berüchtigter Trainer des Vereins. Neben Gatterstarts und Bahntraining scheuchte er die Jungs im nahegelegenen Knoops Park regelmäßig die Hügel rauf, um sie sich dann einander im Huckepack wieder runtertragen zu lassen. Der „Schleifer“, wie sie ihn mal mehr, mal weniger liebevoll nannten, war fest entschlossen, alles aus seinen Schergen rauszuholen.

Besonders Matthias fiel da immer mit seiner für BMXer doch ungewöhnlich guten Kondition auf. Je schlechter die Bodenverhältnisse, weicher oder matschiger der Boden, desto besser lief es bei ihm. Nach dem Erfolg im Oktober 1981 im Matsch gewann er in der Sandkiste von Hamburg-Harburg oder in der Schlammschlacht von Leverkusen 1984. Matthias’ Ausdauer und Biss waren beeindruckend. So beeindruckend, dass Ekkehardt Teichreber versuchte, ihn zum Querfeldein-Sport zu überreden, wo er seine Stärken in einstündigen Rennen vermeintlich besser einsetzen konnte. Matthias erinnert sich bildlich an den Pfütze, in der sich sein Mageninhalt nach einer der ersten Trainingseinheiten mit dem ehemaligen Vizeweltmeister ergoss. Das war dann wohl etwas zu viel der Ausdauer für ihn und so blieb er dem BMX-Sport treu.

Matthias Gotter vor Karsten Moeller, 1983

Matthias Gotter vor Karsten Moeller, 1983

Aber auch das ging natürlich ins Geld. Früh hatten die Gotters mitbekommen, dass es sowas wie Sponsoren in dem Sport gab und kontaktierten die Händler und Hersteller, die in Deutschland Teams betrieben. Viele waren das nicht. Es gab die Werksteams von Schauff und Kalkhoff (wobei letzteres verständlicherweise kaum in Frage kam) und die Mannschaften der großen Importeure Instant Funk / Sport Import und Hajo’s. Hartwig Hofherr zeigte Interesse and dem schnellen Jungen aus dem Norden und beorderte Matthias zum Sichtungstraining nach Herborn, wo er sein Können gegen Hajo's damals schon etablierten Größen wie Ivi Vidakovic unter Beweis stellen sollte. Und scheinbar bestand er den Test: Im Mai 1983 wurde er am Hockenheimring von Hofherr mit einem nagelneuen schwarz verchromten GT Rad und der dazu passenden Klamotte ausgestattet. Als GT im folgenden Jahr den Großhandel wechselte, bekam Matthias ein geradezu luxuriös ausgestattetes CW-Phase One gestellt auf dem er seine besten und erfolgreichsten Jahre gefahren ist. Hajo’s blieb sein erster und einziger Sponsor und für die letzte Saison seiner Karriere wechselte er dann in das renommierte Hajo’s Redline Team, nachdem CW nicht mehr die erwünschten Verkäufe brachte.

Doch da schlichen sich langsam andere Dinge in sein Leben, die um Aufmerksamkeit buhlten. Freundin und Berufsausbildung nahmen Raum ein und BMX lief langsam aus. Matthias trat für kurze Zeit noch in die Fußstapfen seines Vaters und gab den Trainer an der Bahn und hängte dann das Rad an den Nagel.

Heute arbeitet Matthias als Lehrer an einer Berufsschule und fährt Rennrad und Mountainbike Marathons. Aus seiner BMX-Zeit bleiben ihm vor allem die vielen Reisen in Erinnerung aber auch das große Engagement der Eltern. Gemeinsam wurden die Rahmenbedingungen für einen neuen Sport geschaffen und als Kind kam einem vieles wie selbstverständlich vor, was rückblickend ein enormer und selbstloser Einsatz war.

Matthias Gotter ist einer der ersten BMXer Deutschlands, war der erste Deutsche Meister unseres jungen Sports und hat seinen Platz in der Hall of Fame somit sicher. Doch auch der Rest seiner Karriere kann sich sehen lassen. Während andere eher Schönwetterfahrer waren oder schon mit der Glamourwelt des Freestyles liebäugelten, war Matthias ein purer Racer, dessen Stärken umso deutlicher wurden, je schlechter die Bedingungen waren. Damit verkörpert er den Geist der frühen Jahre, als BMX noch echtes "Cross" war. Herzlich willkommen, Matthias!