Kerstin Meyer in Huchting, 1985
Kerstin Meyer
Kerstin Meyers BMX Karriere beginnt wie die vieler jungen Menschen in der Boom-Welle der frühen 80er Jahre, doch was sie draus gemacht hat, ist wahrlich außergewöhnlich.
Es klingt wie der klassische BMX-Werdegang so vieler Kinder und Jugendlicher : Kerstin sah BMX das erste Mal bewusst im Film „ET“ Anfang 1983 und als dann die halbe Schule mit BMX-Rädern durch die Gegend fuhr, musste sie natürlich auch eines haben. Dann kam das BMX 2000 und wo bei den meisten anderen die Geschichte hier schon fast zu Ende war, hat sie bei Kerstin gerade erst begonnen.
Sie besuchte mit ihrer Mutter das Finale des Speed Grand Prix im Oktober 1984 in Berlin-Charlottenburg und war fasziniert von dem Sport. Ein Klassenkamerad nahm sie dann mal mit zur Bahn, von der sie nur etwa 15 Minuten entfernt wurde und ab dann wurden die Besuche regelmäßig. Sie lernte Angelika Stolle kennen, die etwa zur gleichen Zeit BMX für sich entdeckt hatte und fand in ihr eine Trainingspartnerin. Am 14. April 1985 fuhr sie dann mit dem ersten Wertungslauf Nord ihr allererstes BMX-Rennen.
BMX war alles. Kerstin liebte es, mit dem Rad zu springen und kann sich noch heute an ihren ersten Manual durch den Charlottenburger Double erinnern. Es war eher die Kondition und die Kraft, die ihr Anfangs mühe machten. Das Ergab sich dann durch die langen Wege in Berlin: Ständig war sie mit dem Rad unterwegs, absolvierte erste Sprinttrainings an den Ampeln, um unbedingt vor der Mutter zu Hause zu sein oder schärfte ihre Grundlagenausdauer auf dem Weg nach Tegel ins Ghetto oder zum Freund nach Steglitz.
Gemeinsam oder mit dem Verein fuhren sie zu BMX-Rennen doch die Wege waren nicht nur innerhalb Berlins weit, auch die Reise zur nächsten Strecke außerhalb Berlins glich damals einer Weltreise. Ende 1991 wechselte sie in den Vegesacker BMX Club begann, mit Wolfgang Fritscher und seinem Rabbit-BMX Servicemobil zu den Rennen zu fahren. Sie bestritt ihre erste Europameisterschaft 1991 und daraufhin direkt die erste WM. Nach dem Abschluss ihrer Lehre 1993 zog sie dann nach Bremen und von da an war sie fast wöchentlich zu Rennen weltweit unterwegs. Das ging soweit, dass zwischen den Rennen kaum mehr Zeit zum Trainieren blieb.
Mit dem Training und den Ambitionen wurde es dann 1995 richtig ernst, als der ehemalige Bundestrainer Jürgen Gemein (RIP) sie in den Bundeskader rief. Ab da gab es Trainingspläne und Kerstin selber machte 1996 einen Trainerschein. Die Trainerkarriere verfolgte sie noch ein paar Jahre weiter, doch letztendlich fehlte ihr die Perspektive und sie musste feststellen, dass sich so mancher Kerl selbst von der erfahrensten und erfolgreichsten Frau nichts sagen lässt.
Mittlerweile wohnt Kerstin in Nordheim bei Heilbronn und fährt für das Ssquared / Answer Team weiterhin erfolgreich Rennen. Nachdem die UCI jetzt eine 50+ Klasse für Cruiser-Damen eröffnet hat, würde sie gerne in diesem Jahr in Australien den achten Weltmeisterschaftstitel anstreben. Für die deutsche BMX Hall of Fame ist das fast ein Novum – wir haben nicht viele aktive BMXer*innen in unseren Reihen aber für die G.O.A.T. des deutschen BMX Sportes machen wir gerne eine Ausnahme.
- 13-fache Deutscher Meisterin zwischen 1992 und 2006
- 16-fache Deutsche Meisterin der Cruiser-Klasse zwischen 2001 und 2017
- 4-fache Europameisterin
- 7-fache Weltmeisterin