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Detlef Richter

Detlef Richter

Als Auffangbecken vieler Flüchtlinge aus der überregulierten Welt der BMX-Rennen sträubte sich der Freestyle stets gegen jegliche Strukturen und Versuche der Organisation. Das Ende der 80er in Deutschland und Europa dennoch eine erstaunlich gute Wettbewerbsszene entstand ist dem Engagement einiger weniger enthusiastischer Leute zu verdanken, die sich selbstlos dem chaotischen Haufen annahmen. Detlef „Daddy“ Richter war einer von ihnen.

Die Karriere des aus Weinheim stammenden Detlef Richter begann im nahegelegenen Hemsbach, wo 1982 mit dem Tropica die wohl erste Skatehalle Europas eröffnet hatte. Detlef arbeitete dort ehrenamtlich als eine Art Hausmeister, baute Rampen, reparierte Rampen und half überall dort, wo Hilfe benötigt wurde. Hier lernte er 1987 Alex Reinke kennen, der gerade seine ersten Gehversuche auf den Quarterpipes und Halfpipes des Tropica unternahm. Ziemlich schnell kamen dann auf Initiative von Alex Grüber, Thomas Grundheber und André Maletz die ersten BMX-Contests ins Tropica. Detlef verstand sich prächtig mit den Drahtziehern der versprengten BMX-Szene und er knüpfte Kontakte, half bei den Veranstaltungen und wurde schnell Teil dieser „Organisation“, die eigentlich niemals eine sein wollte.

Denn sie wurde gebraucht. Deutschland Ende der 80er verband mit den regelmäßigen Austragungen im Tropica, in Kenn und in Köln eine lebendige Contestszene und nachdem aus einer Bierlaune heraus dann endlich die erste Weltmeisterschaft auf deutschem Boden angekündigt wurde, konnte man schon fast von einer Art Ernsthaftigkeit sprechen. Die WM, ausgetragen im Jahr 1990 im kleinen Örtchen Kenn bei Trier, war ein riesiger Erfolg an dem auch Detlef maßgeblich beteiligt war und so gab sich dieser lose Haufen von Organisatoren Anfang 1991 den Namen „DFO“ (Deutsche Fahrrad-Freestyle-Organisation) und war als zweite Instanz neben dem Kölner Jugendpark für den Fortbestand des organisierten BMX-Freestyles in Deutschland zuständig. Detlef Richter übernahm dabei weiterhin alles: Er nahm die Fahrer unter seine Fittiche, flickte Platten, half immer wieder mit den Rampen, organisierte Reisen, besorgte Judges und war die gute Seele der Veranstaltung – von morgens bis abends beschäftigt, ohne jemals einen Pfennig Geld dafür zu verlangen.

Denn BMX war zu seiner Familie geworden, denn in seiner leiblichen Familie waren die Zustände, milde ausgedrückt, chaotisch. Detlefs Vater hatte sich schon lange aus dem Staub gemacht und die Beziehung zu seinen zahlreichen Geschwistern war zerstritten. Er wohnte weiterhin bei seiner Mutter und als diese dann 1998 verstarb, verlor er den Boden unter den Füßen. Detlef flüchtete in den Alkohol, verlor die Wohnung und den Großteil seiner Besitztümer. Sein langjähriger Freund Alex Reinke, der mittlerweile in Münster wohnte, konnte ihm einen Job als Rampenbauer im Skater's Palace besorgen und so zog er nach Münster und konnte dort sein Leben wieder aufbauen.

Doch leider blieb der Hang zur Selbstzerstörung und zum Alkohol. Detlef verlor seine Arbeit im Skater's Palace und musste in ein Heim ziehen. Letztendlich war es der Krebs, der ihm im April 2017 das Leben kostete.

Was bleibt, ist die Erinnerung an den lieben brummigen Kerl, der sich jeden Quatsch versponnener Jugendlicher geduldig anhörte und stets hilfsbereit die Fäden im Hintergrund zog. Detlef Richter liebte BMX und hat darin seine Bestimmung und eine zweite Familie gefunden. Er war wie ein Ziehvater für eine ganze Generation von Freestylern, die alle so frei wie möglich sein wollten, doch gleichzeitig den Rahmen der ihnen durch die Contest in ganz Europa geboten wurden, sehr schätzten.

Detlef Richter und einer Handvoll engagierter Personen ist es zu verdanken, dass die deutsche Freestyle Szene die „toten“ Jahre  zwischen 1988 und 1995 überlebte und auf dem Fundament, das er half zu erschaffen, entstanden die legendären Festivals der frühen 2000er Jahre, wo der Erfolg der X-Games in den USA auch hierzulande zu einem nie zuvor gesehen Boom führte. Wir danken Detlef für seinen selbstlosen Einsatz und begrüßen ihn, leider posthum, in der deutschen BMX Hall of Fame.